Article Post on 21 May 2021

Aktueller Boom oder langfristiger Trend? Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) sind weltweit auf dem Vormarsch

_SPACs scheinen auf Grund ihrer Besonderheiten ideal, um dem Finanzplatz Luxemburg einen weiteren gewinnbringenden Trend zu bescheren. Zeit sich hiermit zu befassen.

> Worum handelt es sich?

Die SPACs sind sog. Akquisitionszweckunternehmen, deren alleiniger Existenzzweck es ist eines oder mehrere andere Unternehmen zu übernehmen. Diese Übernahme wird in drei Schritten verwirklicht:

  • Börsengang des SPACs zur Kapitalbeschaffung und Hinterlegung des Kapitals auf einem Treuhandkonto,
  • Suche nach dem/den zu übernehmenden Unternehmen,
  • Entscheidung zur Übernahme durch die Aktionäre und anschließende Übernahme.

Wichtig: Zum Zeitpunkt des Börsengangs des SPACs sind die zugehörigen konkreten Investitionsziele eine groβe Unbekannte, da nach der Satzung lediglich ein Akquisitionsrahmen (Industriesektor, geographische Belegenheit etc.) vorgegeben wird.

Interessanter Aspekt: Hierdurch wird/werden das/die übernommene(n) Unternehmen ohne eigenen Börsengang an der Börse handelbar.

> Struktur

SPACs werden auch als Mantelunternehmen bezeichnet, da sie bei ihrem Börsengang keine eigenen Vermögenswerte vorweisen, sie verkörpern im Prinzip eine leere Hülle. Innerhalb des SPACs-Universums gibt es grundsätzlich vier Parteien bzw. Akteure:

  • Den leeren Unternehmensmantel, der ohne Vermögenswerte an die Börse geht (d.h. der SPAC selbst),
  • Die Initiatoren oder Sponsoren des SPACs,
  • Die Investoren des SPACs,
  • Das/die zu übernehmende(n) Unternehmen.

Die Initiatoren des SPACs haben ein sehr überschaubares Investitionsrisiko. Diese gründen lediglich das SPACs und bringen dieses unter vereinfachten Bedingungen an die Börse. Üblicherweise behalten sich die Initiatoren 20% der Anteile des SPACs vor und übernehmen in der Regel die Verwaltung des SPACs, so dass sie bei einer erfolgreichen Entwicklung des SPACs (erheblich) am Erfolg partizipieren.

Bei dem Börsengang des SPACs werden die Anteile zu einem geringen Preis, oftmals 10 Dollar/Euro, platziert, so dass hiermit auch Kleinanleger angesprochen werden, die auf eine hohe Rendite spekulieren, i.e. die Investoren müssen keine besonderen Merkmale vorweisen.

Der Geschäftsführung des SPACs kommt die Aufgabe zu, entsprechend dem Akquisitionsrahmen, ein oder mehrere taugliche Zielunternehmen zu finden. Üblicherweise muss die Investition des SPACs innerhalb von 24 Monaten erfolgen.

> Besonderheiten

Wie bereits angemerkt muss die Investitionsentscheidung, d.h. die Übernahme durch die Aktionäre/Anteilsinhaber genehmigt werden. Hierbei sind diejenigen Anleger, die die Investition ablehnen nicht durch ihre Investition in das SPACs gebunden und können ihr auf dem angesprochenen Treuhandkonto hinterlegtes Geld vor der geplanten Investition samt etwaiger Zinsen herausverlangen. Auch wird dieses Geld an sämtliche Investoren ausgekehrt, wenn die Geschäftsführung nicht binnen der vorgegebenen Frist eine taugliche Investition präsentiert.

Für die (sachkundigen) Investoren dürfte auch die erhöhte Transparenz interessant sein. Denn die zu übernehmenden Unternehmen geben vor der Übernahme durch einen SPACs in der Regel deutlich mehr Informationen preis, als dies bei einem regulären Börsengang des Unternehmens der Fall wäre.

Da im Unterschied zu einem Fonds der Akquisitionsrahmen sehr vage ist, hängt der Erfolg des SPACs in besonderem Maße von der Geschäftsführung ab. Daher dürften gerade die wohl etablierten, gut vernetzten und bekannten Player hier einen erheblichen Vorteil haben, um sich auf diesem „neuen“ Spielfeld zu etablieren. 

> SPACs: Gab es das nicht schon mal?

In der Tat, SPACs sind mit Sicherheit keine komplett neue Erfindung. Hauptsächlich in den USA werden SPACs zur Kapitalbeschaffung bereits seit Ende der 1980er Jahre eingesetzt und dementsprechend an der US-Amerikanischen Praxis und den entwickelten Regeln orientiert. In diesem Zusammenhang sind die Veröffentlichungen der U.S. Securities and Exchange Commission zu SPACs von daher sicherlich lesenswert. In Europa wurde der erste SPAC im Jahre 2007 an die Börse gebracht, in Deutschland im Jahre 2008. Schauen wir auf Luxemburg, so ist die Datenlage äußerst gering und es ist vor allen Dingen ein luxemburgische SPAC mit dem Fokus auf Akquisitionen im Technologiesektor, der im Februar diesen Jahres an der Börse Frankfurt platziert wurde, der die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und über den diskutiert wird.

> Warum also der Boom?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Natürlich gibt es immer wieder Trends, die durch eine Erfolgsgeschichte oder einfach nur durch neue (gewinnbringende) Investitionsmöglichkeiten, ausgelöst werden. Es läge also nahe, dass dieser Trend in Europa einfach auf den Boom der SPACs in den USA zurückzuführen ist. Allerdings sprechen doch einige Faktoren dafür, dass die COVID-19 Pandemie hierzu in erheblichem Maße beigetragen hat. So scheint vielen Investoren die Zukunft unsicherer als noch vor der Pandemie zu sein und mithin die Einschätzung der einhergehenden Risiken. In Zeiten von Niedrigzinsen stellt daher eine Investition – auch wenn die finale Investition des SPACs unbekannt ist – bei der es ein Ausstiegsrecht ohne Verluste für den Investor gibt, eine verlockende Alternative dar.

> Aussichten

Auch wenn die SPACs derzeit im Kommen sind, ordnen wir diese nicht als kurzfristigen Trend ein. Vielmehr werden sie eine handhabbare Alternative für die üblichen und teilweise langfristigen Börsengänge darstellen, sobald sie sich etabliert haben. Insofern gehen wir davon aus, dass uns die SPACs auch in Zukunft begleiten werden.

Ähnlich wie für Fonds dürfte Luxemburg, aufgrund der nur kurz angerissenen und weitbekannten Qualitäten des hiesigen Finanzplatzes, wohl in Kürze zu dem europäischen Hotspot für SPACs werden.

Wir, Wildgen S.A. werden wie gewohnt den Markt sowie die Stellungnahmen der diversen Akteure im Blick behalten und stehen Ihnen für sämtliche Fragen rund um diesen SPACs Trend gerne zur Verfügung.

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